CeBIT: Lust auf die Messe ist wichtig für den Erfolg

An der CeBIT scheiden sich seit Jahren die Geister: Es gibt begeisterte Befürworter, es gibt ablehnende Skeptiker. Auch in diesem Jahr habe ich hochzufriedene Aussteller und Besucher getroffen und solche, die enttäuscht waren. Die einen sagen, sie haben zahlreiche neue, vielversprechende Kontakte gemacht, neue Geschäftschancen erschlossen und bestehende Beziehungen gefestigt. Die anderen sagen, dass sich der Aufwand nicht gelohnt hat.

Ich stelle fest, dass die zufriedenen Aussteller und Besucher  eines gemeinsam haben: Sie gehen gerne auf die CeBIT, sie bereiten sich gut vor, und sie sind vor allem offen für neue Kontakte, sind extrovertiert, kommunikativ und neugierig darauf, neue Menschen und neue Unternehmen kennen zu lernen. Sie haben jedes Jahr gute Erfahrungen gemacht, sind immer mit neuen Business Opportunities nach Hause gekommen. Sie haben das Richtige gesucht und das Richtige gefunden.

Damit das funktioniert, muss zum einen die Erwartungshaltung zur Messe passen: Die CeBIT ist eine B2B-IT-Messe. Lösungen für Unternehmen stehen im Mittelpunkt. Die CeBIT ist auch eine Messe für Innovationen, sie bietet Forschung und Entwicklung sowie Start-ups eine Plattform. Das bedeutet: Wenn ich an neuen Consumer-IT-Angeboten und netten Gimmicks interessiert bin, ist die CeBIT die falsche Messe.

Zum anderen muss die „innere Haltung“ stimmen: Wer als Aussteller ein Team von Consultants am Stand hat, das keine Lust auf Messekontakte hat, wird auch keine guten Ergebnissen erzielen. Deshalb ist es sehr wichtig, das gesamte Team vor der Messe zu motivieren, sich gut vorzubereiten und vor allem auf die Mitarbeiter zu setzen, die offen und kontaktfreudig sind. Mit ihnen wird die Messe zum Erfolg – für Aussteller und Besucher gleichermaßen.

P.S.: Ich gehe seit über 25 Jahren auf gerne die CeBIT, lerne viele neue Menschen kennen und komme immer mit einer guten handvoll New Business Opportunities heim.

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Gastbeitrag für die Texterkiste: Das Beste kommt nicht zum Schluss…

Werkzeugkistesondern gleich an den Anfang! Eine knackige Überschrift macht neugierig und lädt zum Lesen eines Textes ein. Doch mindestens genauso wichtig ist meiner Meinung nach ein guter Einstieg. Und zwar nicht nur bei Artikeln für die Fachpresse, wie ich sie seit mittlerweile über 20 Jahren schreibe, sondern bei nahezu allen Texten im professionellen Kontext.
Bevor ich mit einem Text starte, überlege ich mir, was aus Sicht der Leser (!) der interessanteste, verblüffendste oder netteste Punkt ist. Und genau damit fange ich an. Das füllt meist schon den ersten Absatz. In den folgenden Absätzen ist dann genügend Gelegenheit, etwaige Verwirrungen zu klären oder das Einstiegsrätsel aufzulösen, um das Thema schließlich schön der Reihe nach abzuhandeln oder – besser noch – die Geschichte ordentlich zu erzählen.
Wer wie im Schulaufsatz mit den historischen Rahmenbedingungen, den grundsätzlichen Überlegungen, den häufigen Problemstellungen, der Ausgangssituation etc. startet, langweilt von Anfang an. Die Chance, dass der Text gelesen wird, sinkt. Da ist ein Anfang wie ein Bauchklatscher deutlich besser, finde ich.

Eva_Elisabeth_ErnstDiesen Gastbeitrag mit ihrem Lieblings-Text(er)-Werkzeug hat uns Eva Elisabeth Ernst geschickt. Sie arbeitet als freie Journalistin und schreibt professionelle Texte für Print und Online mit einem Schwerpunkt auf B2B-Publikationen für den Mittelstand.

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Texters Werkzeugkiste – Schreibtipps aus der Praxis für die Praxis

WerkzeugkisteProfessionelle Kommunikation braucht sauber definierte Ziele und Botschaften, eine klare Strategie und immer wieder gute, verständliche Texte. Allerdings: Ein guter Text macht Mühe, er fällt selten einfach so vom Himmel. Damit er wirklich „fliegt“, muss er meistens mehr als einmal gefeilt und poliert werden, und genau dieses Feilen und Polieren kann man lernen. Denn nach meiner Erfahrung ist Schreiben zu 80 Prozent Handwerk, zu 15 Prozent saubere Recherche und nur zu fünf Prozent Begabung. Welche Werkzeuge ein Handwerker in der Textwerkstatt braucht und wie man diese sinnvoll einsetzt, werde ich hier in unregelmäßiger Folge erklären.

Der erste und allerwichtigste Rat ist am einfachsten umzusetzen: Lies dir jeden Text, den du geschrieben hast, laut vor. Das klingt zunächst so simpel, dass ich schon oft für diesen Tipp ausgelacht oder zumindest müde belächelt wurde. Zu Unrecht! Probieren Sie es einfach mal aus. Denn: Wenn man einen Text LAUT liest, hört man sofort, wo er klemmt! Wo Bezüge nicht stimmen, wo ein Wort nicht passt oder ob der Satz zu lang ist. Dann geht einem beim Lesen einfach die Luft aus. Wenn man jetzt genau an diesen „Klemmstellen“ arbeitet, wird der Text flüssiger, lesefreundlicher und verständlicher. Das heißt zum Beispiel Wörter umstellen, ein passenderes Wort suchen oder ganz einfach mit einem Punkt aus einem zu langen Satz zwei kurze machen.

P.S.: Haben Sie auch ein nützliches Werkzeug in Ihrer Texterkiste? Schreiben Sie mir. Wir freuen uns auf Gastbeiträge.

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Newsletter-Handling: Mein Zeitspar-Tipp zum Wochenstart

EntfernenNewsletter sie sind für mich eine wichtige Informationsquelle: um mich schnell und regelmäßig up-to-date zu halten, um Wichtiges und Wissenswertes rund um meine Arbeit zu erfahren. Deshalb klicke ich gerne auf den „Abonnieren-Link“, wenn mir ein  neuer Newsletter wichtig und interessant erscheint. Das führt allerdings immer wieder zu einem „Overflow“ mit dem Ergebnis, dass ich viele Newsletter nur noch selten lese oder sie gleich ungelesen weg klicke. Die vielen Newsletter-Mails verstopfen meinen Posteingang, ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, es wird mir einfach zu viel. Das hat den Nachteil, dass mir unter Umständen relevante Informationen verloren gehen.

Deshalb habe ich habe das Wochenende genutzt, um einmal aufzuräumen. Ich habe mir genau angeschaut, welcher Newsletter mir wirklich genau die Informationen bringt, die ich brauche. Welchen Newsletter ich darüber hinaus auch gerne lese, weil er gut lesbar ist. Und nur die Newsletter, die diese beiden Kriterien erfüllen, habe ich jetzt noch abonniert. Alle anderen habe ich abbestellt. Mein Tipp: Nutzen Sie auch  einmal eine ruhige Stunde zum Aufräumen. Es lohnt sich!

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Es gibt keine Start-up-PR: Maßgeschneiderte Lösungen statt „one-fits-all“-Pakete sind gefragt

StartIn letzter Zeit lese ich immer wieder von Start-up-PR und speziellen Kommunikationsangeboten in Form von Start-up-Paketen für junge, innovative Unternehmen. Ich frage: Kommunikation von der Stange für kreative Unternehmer – ist das wirklich sinnvoll? Ich glaube nicht, dass es eine spezielle „Start-up“-PR geben kann, schon gar nicht als standardisiertes Angebot im Paket. Sicher, Start-ups können professionelle Unterstützung von erfahrenen Experten gebrauchen – sei es im betriebswirtschaftlichen und im finanziellen Bereich oder in Marketing und Kommunikation. Und gewiss, es muss einfach und machbar sein mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Aber meiner Meinung nach gehen Standard-Kommunikationspakete für Start-ups vollkommen am Konzept Start-up vorbei,  sie verkennen, was Start-ups im Kern ausmacht: Diese jungen Unternehmen sind das Gegenteil von Standard, sie sind außergewöhnlich, unkonventionell, kreativ, innovativ. Sie stehen vor besonderen Aufgaben und Herausforderungen, müssen sich ihre Märkte und Kunden erst neu erschließen, sie müssen Investoren auf sich aufmerksam machen.

Dementsprechend brauchen Start-ups eine besondere Kommunikation, die genau auf ihre individuellen Gegebenheiten eingeht, die dazu passt, dass sie anders sind. Sie brauchen einen erfahrenen Kommunikations-Coach, der sich ihrer Sache professionell und persönlich annimmt.

Und um Konzepte und Maßnahmen für Start-ups zu entwickeln, muss man sich jedes dieser Unternehmen genau anschauen: Was können diese Unternehmen tun, um in ihren jeweiligen Zielmärkten, bei Investoren, Entscheidern und Influencern gesehen zu werden? Welche Nutzen-Argumente benötigen sie, um diese Zielgruppen über die richtigen Kanäle und Medien adäquat anzusprechen und zu überzeugen? Welches sind die geeigneten Instrumente für erfolgreiches Marketing, für Vertriebsunterstützung, erfolgreiche PR und Medienarbeit? Welche Aktivitäten können Start-ups mit „Bordmitteln“ intern realisieren, für welche Aufgaben sollten und müssen sie externe Kapazitäten nutzen?

Unsere Erfahrung ist: Start-ups brauchen sehr individuelle Beratung und individuelle, maßgeschneiderte Programme, die sie ganz gezielt in den Bereichen unterstützen, in denen sie kein internes Know-how bzw. keine interne Expertise haben. Sie brauchen praktikable, pragmatische Lösungen und einen Partner, der gemeinsam mit Ihnen begeistert am Erfolg der neuen Geschäftsidee arbeitet, der aber auch ein kritischer Sparrings-Partner und erfahrener Ratgeber ist.

Typische „Start-up-PR“ gibt es ebenso wenig wie „Mittelstands-PR“. Professionelle PR und  ehrliche Kommunikations- und Marketingberatung zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie jedes Unternehmen, jedes Thema, jede Aufgabe ernst nehmen und nicht über einen Kamm scheren, sondern individuelle Lösungen erarbeiten und umsetzen.

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Content Marketing und PR: Partner für erfolgreiche Marketingkommunikation

Haende_3Content Marketing scheint ja die neue Zauberformel für erfolgreiches Marketing zu sein: Ohne guten Content gibt es kein gutes Marketing, und für guten Content ist die PR zuständig bzw. prädestiniert – die können das! Content Marketing braucht PR und deren Kompetenz für Content-Erstellung. Erst die PR-Kompetenz für überzeugende, professionelle Texte macht also Content Marketing wirklich erfolgreich.

Soweit so gut. Aber geht das nicht komplett am Kern, am Selbstverständnis und den Aufgaben der „klassischen“ PR vorbei? Wird die PR damit nicht zum bloßen Wasserträger, zur Hilfswissenschaft für’s Marketing? PR reduziert auf die Funktion als Content-Lieferant?

Herkömmliche PR konstatiert: Ziel des Marketings ist Verkaufen, den Vertrieb unterstützen mit absatzfördernden Kampagnen und Aktionen. Ziel der PR ist es, Vertrauen aufzubauen sowie langfristige, tragfähige Beziehungen zu pflegen mit allen wichtigen internen und externen Stakeholdern. PR ist nicht für’s Verkaufen zuständig, sondern für Relation Management, Reputation Management und den Dialog.

Aber sind all diese Abgrenzungen der Disziplinen nicht eher theoretisch-akademischer Natur? Wen interessieren sie überhaupt?

Abgrenzung bringt in der Praxis wenig. Am Ende geht es doch immer nur darum, „was hinten rauskommt“: Es geht um den Erfolg des Unternehmens im Markt. Alle Verantwortlichen, alle Bereiche, die internen Abteilungen sowie die externen Agenturen, sie alle arbeiten daran, dieses Ziel zu erreichen, und daran werden sie auch gemessen. Mit welchem Recht beansprucht die PR die Hoheit über den Dialog? Professionelles Marketing setzt doch heute genauso auf Dialog und Beziehungsmanagement, auch und gerade im Social Web.

Content Marketing ist für mich ein sehr gutes Beispiel, wie die verschiedenen Disziplinen, Bereiche und Abteilungen zusammenarbeiten und so enorme Synergieeffekte erzielen. Wie Grenzen zwischen den Kommunikationsdisziplinen überwunden werden: PR, Vertrieb und Marketing arbeiten Hand in Hand, gemeinsam für den Erfolg! Jeder trägt mit seinen Kompetenzen dazu bei, dass am Ende das Unternehmen erfolgreich ist. Nicht nur im Sinne von Verkaufszahlen und Bilanzen, sondern auch im Hinblick auf Reputation und Image. Und mitnichten wird die PR zum „Wasserträger“: Denn wer den Content modelliert, ist zugleich Hüter der Botschaften.

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Weihnachtsgrüße aus der Agentur

Weihnachten_Gänseblümchen im Dezember_haffapartnerAuch wenn das Thermometer auf zweistellige Temperaturen klettert und die Gänseblümchen wie wild sprießen, lassen wir uns die Lust auf Lebkuchen, Glühwein und schummriges Kerzenlicht nicht nehmen.

Wir wünschen allen unseren Kunden, Partnern, Freunden des Hauses, aktuellen, ehemaligen und künftigen Weggefährten, Kommunikatoren, Geschichtenerzählern und Zuhörern schöne Feiertage und einen rauschenden Jahresauftakt 2015!

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Jahresendstress: Was ist es, was bringt es, was hilft dagegen?

Der Duden kennt das Wort nicht, und doch bleibt wohl keine Branche und keine Hierarchieeben davon verschont: der „Jahresendstress“

Eine grobe Definition und Analyse:

jahresendstress

  • Zum Jahresende erhöht sich das Arbeitspensum in umgekehrter Proportion zur verfügbaren Zeit und löst so Stress aus.
  • Das Jahresende ist zeitlich nicht so ganz streng definiert. Häufig geht es schon am 1. November los.
  • Das Jahresende kommt – wie Weihnachten, der Geburtstag der Ehefrau und der erste Schnee – immer sehr überraschend.
  • Ironischerweise nimmt der Jahresendstress während der eigentlich besinnlichen Adventszeit exponentiell zu je näher der Urlaub / Weihnachten / Silvester rückt.
  • Der Stress mag sich durch ähnliche Symptome bemerkbar machen wie Burn-Out, Krankschreibung vom Arzt gibt’s aber nicht.

Und die Ursachen? Es folgt ein willkürliches Ranking – durch keine statistischen Daten belegt:

  1. Der Dezember ist aufgrund der Feiertage und der mitgeschleppten 40 Urlaubstage zu kurz.
  2. Erkältungszeit ist auch noch.
  3. Wenn man an seinen Erfolgen gemessen wird, dann doch bitte jetzt.
  4. Schnelle Absprachen funktionieren nicht – schließlich haben andere ebenso wenig Zeit.
  5. Die eine oder andere Weihnachtsfeier kommt in die Quere.
  6. Irgendwo ist noch Budget aufgetaucht, und um das Budget des Folgejahres nicht zu gefährden, muss das noch sinnvoll untergebracht werden.
  7. War schon immer so.

Was man dagegen machen kann? Wir übernehmen keine Gewähr:

  • Wehr dich nicht. Alternativ: Augen zu und durch.
  • Weihnachtsfeiern aufs nächste Jahr verlegen.
  • Singenden Weihnachtsmann einschalten, Plätzchen essen, Belanglosigkeiten aufwerten (zum Beispiel das Wetter).

 

Und hier kommen noch Lesetipps aus dem World Wide Web:

http://blogs.stern.de/abschaffungderproblemzonen/jahresendstress/

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/entschleunigung-im-advent-weihnachtsfeier-besser-erst-im-neuen-jahr-12711242.html

http://www.thewaveradio.de/web-fundstueck-entspannungstipps-fuers-buero-lustige-infografiken?id=129

 

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Wearables: Fortsetzung der Protestantischen Ethik mit anderen Mitteln ?!

Max Weber 1894

Max Weber 1894 @wikipedia

Die Akademie der Deutschen Medien in München hatte eingeladen zu einer Veranstaltung zum Thema „Wearables – Wie Content-Anbieter von den Technologien am Körper profitieren“. Nach den Vorträgen von Florian Schumacher (Digital Health Consultant, http://www.iic-solutions.de, http://www.igrowdigital.com) und Beate Mutschler (Verlagsleitung Digitale Medien, Gräfe und Unzer Verlag) habe ich mir einige Gedanken zur Bedeutung von Wearables gemacht.

Zunächst einmal: Hut ab vor der genialen Idee des GU-Verlags, den GU-Content in die digitale Welt und auch auf Wearables zu überführen: Ratgeberliteratur zu Gesundheit, Sport, Ernährung, Essen passen perfekt für Wearables, die das größte Potenzial genau in diesen Bereichen haben. Es gibt hochinteressante Business-Modelle für Wearable-Content, da sehe ich eine große Chance für Verlage und andere Unternehmen.

Doch viel mehr beschäftigt mich das Menschenbild und die Philosophie hinter Self-Tracking, Quantified-Self und Selbstoptimierung, dem Sammeln und Auswerten von Daten zum eigenen Körper, zur Ernährung und zu sportlichen Aktivitäten. Was mit den Informationen passiert, die Acitvity-Tracker und Smartwatches sammeln, ist schon problematisch genug: Versicherungen belohnen bereits Personen, die gute Gesundheits- und Aktivitätswerte haben. Aber Datenschutz und die Gefahr von Missbrauch persönlicher Daten ist heute nicht mein Thema.

Ich fühle mich nicht wohl beim Bild eines perfekt funktionierenden Menschen, beim Gedanken an Standardwerte, die uns als Maßstab für das richtige Leben von Unternehmen vorgegeben werden. Denn die Wearables zeigen mir ja nicht nur an, wie viele Schritte ich am Tag gelaufen bin oder wie viele Kalorien ich zu mir genommen habe. Sie geben Empfehlungen, was ich tun sollte im Sinne der Selbstoptimierung: mehr bewegen, weniger essen. Ich empfinde das zum einen als eine ungeheure Bevormundung bzw. Entmündigung. Zum anderen steht für mich dahinter ein kaltes, lustfeindliches, genormtes Menschenbild. Eine Philosophie, die enorm simplifiziert, die vorgibt zu wissen, was richtig und was falsch ist, was gut ist und was böse ist. Die belohnt, wenn man gut lebt, und die bestraft, wenn man falsch lebt – entsprechend der vorgegebenen Normen. Die von Menschen hohe Selbstdisziplin verlangt, die Vergnügen und Genuss verteufelt.

Das hatten wir doch schon mal: Max Weber hat in „die Protestantischen Ethik und der Geist des Kapitalismus“ sehr treffend beschrieben, wie vor allem die Weltanschauung der Calvinisten (Fleiß, Askese, Reinvestieren statt Konsumieren, Prädestination) die Industrialisierung vorangetrieben habt. Was Weber als zentrales Element dieser Ethik sieht, nämlich den „Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens, so gänzlich aller eudämonistischen [glückseligen] oder gar hedonistischen [lustorientierten] Gesichtspunkten entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, dass es als etwas gegenüber dem ‚Glück‘ oder dem ‚Nutzen‘ des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint“ (Bd. 1, S. 44), das lässt sich doch eins zu eins auf die Ethik der Selbstoptimierer mit den Wearables übertragen.

Und nicht ohne Grund kommt die Wearables-Begeisterung ja aus den USA, die dieses Menschenbild und diese Ethik seit den Gründungsvätern kultivieren. Ich möchte Wearables hier auf keinen Fall pauschal verurteilen: Es gibt sicherlich viele Anwendungen, die Menschen helfen und vor Schaden bewahren, die die Gesundheit fördern. Gerade im Bereich Gesundheitswesen und Vorsorge sehe ich viel Positives, was Wearables leisten können. Und Wearables müssen ja nicht per se lustfeindlich und disziplinierend sein. Die Anwendungen können Spaß machen, den Horizont erweitern, Wissen vermitteln und sie können Leben retten.

Mir ist jedoch der „Geist und die Ethik“, die ich hinter dem Konzept des Self-Tracking, der Selbstoptimierung und der Normierung des Lebens sehe, suspekt. Lebensqualität und Gesundheit definieren sich viel breiter, als es Daten aus Wearables zu erheben vermögen. Gutes Leben braucht mehr als Leistungsorientierung, Optimierung und Erfolg. Für mich gehört zur Lebensqualität Selbstbestimmtheit, Individualität, Spontanität, Irrationalität, Lachen, Freunde, Faulheit, und ab und an Leberkäs, Pommes mit Majo und Sahnetorte.

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Erfolgsrezept: Wertschätzung und ehrliche Kommunikation

Würth_Website_AusschnittDer Marketing Club München hatte am 12. November zum Unternehmergespräch mit Reinhold Würth geladen. Der ehemalige Chef der Würth-Gruppe und jetzige Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrat der Würth-Gruppe referierte zum Thema „Verantwortung tragen und Verantwortung übertragen“: Ein Vortrag aus dem Leben einer Unternehmerpersönlichkeit, die aus einem kleinen Handwerksbetrieb einen weltweit operierenden Konzern für Befestigungs- und Montagetechnik geschaffen hat.

Doch was mich am meisten beeindruckt hat, ist etwas anderes als das enorme Wachstum des Unternehmens. Es ist die Tatsache, dass Würth nie aus den Augen verloren hat, dass es im Leben – privat und beruflich – noch mehr gibt als den Erfolg, der sich in Zahlen ausdrückt.

Es ging ihm nie nur um technische Optimierung von Management und Prozessen, um mehr Wachstum und mehr Leistung, sondern darum, seinen Mitarbeitern echte, ehrliche Anerkennung zu geben und dies auch zu zeigen. Würth weiß, dass seine Mitarbeiter der wichtigste Erfolgsfaktor sind, und das sagt er nicht nur, sondern lebt es auch auf vielfache Art und Weise. Die Unternehmenskultur, in der die Mitarbeiter geschätzt und geachtet werden, ist bei Würth nicht Ergebnis einer Compliance-Abteilung, die schöne Formulierungen in einem kleinen Booklet zusammenfasst. Würth ist Vorbild. Er verlangt nichts von anderen, was er nicht selber von sich verlangt.

Vor allem ist er ein Mensch, der „Danke“ sagt. Noch heute, in diesem wirklich großen Unternehmen, greift er zur Feder, um sich bei Mitarbeitern und Teams für eine besonders gute Leistung zu bedanken. Er spricht persönlich Anerkennung aus. Er weiß, wie wichtig es ist, Mitarbeitern neben einem guten Verdienst auch Wertschätzung zu geben.

Ich denke, dass viele Unternehmer, Führungspersönlichkeiten und Manager von ihm lernen können: Dass es im Arbeitsleben mehr gibt als Kennziffern und Bilanzen, dass Erfolg nicht nur an quantitativen Größen gemessen werden sollte, dass für Mitarbeiter, Partner, Kunden und Lieferanten nicht nur Geld, sondern auch Wertschätzung wichtig ist. Und Würth hat es auch verstanden, diese Haltung und diese Unternehmenskultur bekannt zu machen, ihr Ausdruck zu geben, sie zu kommunizieren. Dies wiederum trägt nachhaltig zum Erfolg, zum guten Image und zum hohen Bekanntheitsgrad des Unternehmens bei.

Mitgenommen habe ich von diesem Unternehmergespräch mit Reinhold Würth, wie wichtig ehrliches, authentisches Handeln und Kommunizieren ist, und dass dies kein Beiwerk, kein „nice-to-have“ für ein Unternehmen ist, sondern die Essenz eines nachhaltigen Erfolgs. Eigentlich ganz einfach: „Tue Gutes und rede darüber.“

Einen weiteren Beitrag zum Thema CSR im Unternehmen finden Sie auch unter: http://www.haffapartner.de/smz/2014/06/corporate-social-responsibility-schweigend-gutes-tun-ist-ehrenvoll-wer-die-gesellschaft-bewegen-will-muss-aber-den-mund-aufmachen/

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